Auszüge

Jochen Damian Fischer erobert die Räume der Unterwelt und ermöglicht dem Betrachter den Zugang zu einer Zwischenwelt. Er erforscht den nicht sichtbaren Untergrund unserer Städte mit seinen ganz eigenen Gegebenheiten, ihrem ganz eigenen Charakter – und macht das für den Betrachter üblicherweise Unsichtbare erfahrbar.

In Fischers Werken spielt die Raumwahrnehmung und die Wirkung des Raumes auf den Betrachter eine zentrale Rolle. Rückblickend begann die künstlerische Arbeit von Jochen Damian Fischer damit, dass er tatsächlich zwischen 2011 und 2014 in die urbane Unterwelt abtauchte und eine Reihe von Arbeiten in den Rohren und Schächten der Kanalisation entwickelte. Die isolierten Räume mit ihrer Dunkelheit; ihrem ganz eigenen Raumgefühl und ihrer Fremdheit inspirierten den jungen Künstler zu seinen ersten plastischen Arbeiten.

Vanessa Seeberg // Kunstwissenschaftlerin, MA

 

Isolation © Jochen Damian Fischer

Isolation // 2010 // Fotografie

 

In den Arbeiten von Jochen Damian Fischer findet eine Umkehrung der Wertung zwischen Ober- und Unterwelt statt, dort befindet sich das Spannende, dort fühlt man sich wohl,
ist man behütet, dort ist Zuflucht, dort ist ein Ausstieg aus der Logik dieser Welt möglich. Damians Arbeiten entstehen, indem er in die Abwasserschächte und in die Kanalisation hinab steigt. Er geht auch immer allein, das ist ihm wichtig, um diese Freiheit zu genießen, sich autark in einem anderen System bewegen zu können. Dieser Untergrund ist aber keine Natur, es ist ein künstliches System, ein gesellschaftliches System, in das er sich begibt.

Peter Schmidt // Kunstverein Zero Arts

 

Jochen Damian scheint eine besondere Vorliebe für das Tiefgründige zu haben und das uns täglich umgibt, scheint ihm im wahrsten Sinne zu oberflächlich zu sein, denn wie man an seinen fast als Gesamtkunstwerk arrangierten Arbeiten erkennt, geht er wortwörtlich in die Tiefe.

Corinna Steimel // Städtische Galerie Böblingen

 

Mit großem technischem Aufwand und handwerklicher Raffinesse realisiert der Universalkünstler Jochen Damian Fischer seine Visionen. Das Ergebnis sind unterschiedlichste Kunstwerke, die ganz bewusst Gattungsgrenzen und Konventionen überschreiten und ihren jeweiligen Themen auf verschiedensten Arten begegnen.

So macht er in seinen Objektarbeiten mal die rotzige Rauheit der Straße für den Betrachter direkt erfahrbar und kontrastiert damit die Behaglichkeit des jeweiligen Umfeldes, mal sinniert er über die Vergänglichkeit des Menschen und reduziert diesen dabei clever auf dessen bloße Hülle. Auf der einen Seite wird der Mensch zur biologischen Maschine degradiert und auf der anderen Seite wird die Maschine zum musikalischen Ausdruck sozialen Engagements erhoben. Fischer bringt das Publikum an den Rand der Belastbarkeit und verschließt sich dabei trotz allen Ernstes nicht dem ihm eigenen Spieltrieb.

Für seine Installationen hingegen begibt sich der Künstler in eine selbstgewählte Isolation und durchbricht die graubraune Tristes des urbanen Untergrundes mit seinen Werken auf mannigfaltige Weise. Ob hoffnungslos beklemmend, roman- tisch melancholisch oder bizarr makaber, stets gelingt es ihm, in den klaustrophobischen Umgebungen, überraschend ein- zigartige Gefühls- und Stimmungswelten zu entfalten und so die großstädtische Kanalisation Stück für Stück als Lebensraum für seine Kunst zu erobern. Isolation, Untergrund und existenzielle Fragen des menschlichen Seins oder Nichtseins sind die zentralen Elemente in der kritisch-dreckigen und unbequemen Kunst Jochen Damian Fischers. Aufgewachsen als Teil einer Subkultur in einem kleinstädtischen Umfeld setzt er sich bereits seit Jugendjahren mit derartigen Themen auseinander und formuliert sie nun in einer entsprechend brutalen Schonungslosigkeit. Damit bietet er dem Betrachter einen Einstieg in den Untergrund des urbanen Lebens und einen Fluchtweg aus dessen Oberflächlichkeit.

Florian Rapp // Kunsthistoriker, MA

 

+/- © Jochen Damian Fischer

+/- // 2010 // Fotografie